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Plazentagewebe einlagern: Neue Möglichkeiten in Österreich

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Wusstest du, dass bei der Geburt deines Babys Stammzellen gewonnen werden können, die später zur Behandlung schwerer Krankheiten dienen? Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Da die Einlagerung mit Kosten verbunden ist, stellt sich natürlich die Frage, ob sie für dich sinnvoll ist.

In diesem Beitrag erfährst du, was hinter der Einlagerung von Nabelschnurblut und Plazentagewebe steckt. So kannst du gut informiert entscheiden, ob dieser Schritt für dich infrage kommt oder nicht.

Plazentagewebe einlagern: Neue Möglichkeiten in Österreich

Was sind Stammzellen eigentlich?

Stammzellen sind besondere Körperzellen. Man kann sie sich wie eine Art „Grundbausteine“ vorstellen. Sie haben zwei wichtige Fähigkeiten:

  1. Sie können sich selbst immer wieder erneuern.
  2. Sie können sich in andere, spezialisierte Zellen verwandeln.

Aus Stammzellen entstehen zum Beispiel Blut-, Knochen-, Muskel- oder Nervenzellen. Ohne sie könnten wir nicht wachsen, Verletzungen würden schlechter heilen und viele Reparaturprozesse im Körper würden nicht funktionieren.

Es gibt verschiedene Arten von Stammzellen. Die embryonalen Stammzellen entstehen ganz am Anfang einer Schwangerschaft. Sie können sich in nahezu alle Zellarten des Körpers entwickeln. Ihre Verwendung ist ethisch stark reguliert.

Adulte Stammzellen befinden sich im Körper von Kindern und Erwachsenen, zum Beispiel im Knochenmark. Sie helfen dabei, Gewebe zu erneuern und Schäden zu reparieren. Ihre Entwicklungsmöglichkeiten sind jedoch begrenzter.

Perinatale Stammzellen stammen aus Nabelschnurblut, Nabelschnurgewebe oder Plazenta. Sie sind besonders jung und teilen sich gut.

Eine wichtige Untergruppe der perinatalen Stammzellen sind sogenannte Stromazellen, auch mesenchymale Stammzellen genannt. Sie können sich unter anderem in Knochen-, Knorpel- oder Muskelzellen entwickeln. Außerdem sind sie in der Lage, das Immunsystem zu regulieren und Entzündungen zu beeinflussen. Deshalb stehen sie stark im Fokus der Forschung.

Warum sind perinatale Stammzellen besonders interessant?

Perinatale Stammzellen gelten als besonders wertvoll, weil sie noch keinen Kontakt mit Umweltbelastungen, Krankheiten oder Medikamenten hatten. Zudem besitzen sie eine hohe Teilungs- und Regenerationsfähigkeit.

Ein weiterer Vorteil ist die verfügbare Menge. Vor allem die Plazenta liefert viel Ausgangsgewebe, aus dem unterschiedliche Stammzelltypen gewonnen werden können. Gleichzeitig haben diese Zellen eine geringe Immunogenität. Das heißt, sie lösen seltener Abstoßungsreaktionen aus, was in der Zelltherapie eine wichtige Rolle spielt.

Auch ethisch gibt es, im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen, kaum Konflikte. Die Plazenta und die Nabelschnur würden nach der Geburt normalerweise ohnehin entsorgt werden. Die Gewinnung der Stammzellen erfolgt also aus Gewebe, das sowieso nicht mehr benötigt wird.

Wichtig: Perinatale Stammzellen können nur rund um die Geburt entnommen werden. Diese Möglichkeit besteht nur einmal und lässt sich später nicht mehr nachholen.

Stammzellen aus Plazenta oder Nabelschnur: Wo liegt der Unterschied?

Vielleicht hast du schon mal von der Einlagerung von Nabelschnurblut gehört? Aber auch von Plazenta-Einlagerung? Stammzellen aus Plazentagewebe werden erst seit den frühen 2000er Jahren gezielt erforscht und sind damit deutlich jünger in der medizinischen Anwendung als Stammzellen aus Knochenmark oder Nabelschnurblut.

  • Nabelschnurblut enthält vor allem sogenannte hämatopoetische Stammzellen. Diese sind für die Bildung von Blut- und Immunzellen zuständig. Sie werden seit vielen Jahren medizinisch genutzt, etwa bei bestimmten Formen von Leukämie oder anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems. Die Einlagerung von Nabelschnurblut ist gut etabliert.
  • Nabelschnurgewebe enthält überwiegend mesenchymale Stromazellen. Diese stammen aus dem sogenannten Wharton-Gelee, einer gallertartigen Substanz im Inneren der Nabelschnur. Diese Zellen sind nicht blutbildend, sondern können sich unter anderem in Knochen-, Knorpel- oder Muskelzellen entwickeln und spielen in der Forschung zur Gewebereparatur eine wichtige Rolle.
  • Plazentagewebe bietet noch einmal eine größere Vielfalt. Die Plazenta enthält mehrere Zellquellen, darunter Zellen aus dem Amnion, dem Chorion und dem Plazentablut. Dadurch kann eine höhere Bandbreite an Stammzelltypen gewonnen werden. Zudem steht mehr Ausgangsmaterial zur Verfügung, da die Plazenta deutlich größer ist als die Nabelschnur.

Alle drei Gewebe stammen aus demselben Zeitraum rund um die Geburt. Der Unterschied liegt vor allem in der Art und Vielfalt der enthaltenen Stammzellen.

Wie läuft die Entnahme und Konservierung von Stammzellen ab?

Die Gewinnung der Stammzellen erfolgt direkt nach der Geburt. Sobald dein Baby versorgt ist, wird das Nabelschnurblut abgenommen oder Gewebe aus Nabelschnur und Plazenta gesichert. Für dich und dein Kind ist das schmerzfrei, weil die Nabelschnur zu diesem Zeitpunkt bereits durchtrennt ist und die Plazenta keine Nerven mehr besitzt.

Anschließend wird das Material in einem speziellen Entnahmeset verpackt. Dabei gelten klare Vorgaben für Transportzeit und Temperatur. Gerade bei Plazentagewebe ist wichtig, dass es innerhalb eines festgelegten Zeitraums im Labor ankommt und korrekt gelagert wird.

Im Labor erfolgt die Verarbeitung unter Reinraumbedingungen. Das bedeutet, dass die Stammzellen in einer besonders sterilen Umgebung isoliert und geprüft werden. Mehrere Tests stellen sicher, dass keine mikrobielle Verunreinigung vorliegt.

Danach werden die Zellen kryokonserviert. Sie werden also bei sehr niedrigen Temperaturen im Stickstoffdampf eingefroren. In diesem Zustand können sie viele Jahre gelagert werden, ohne ihre Eigenschaften zu verlieren.

Wichtig: In seriösen Labors erhält jede Probe eine eindeutige Kennnummer. So bleibt sie jederzeit rückverfolgbar und kann im Bedarfsfall eindeutig zugeordnet werden.

Plazentagewebe einlagern: Neue Möglichkeiten in Österreich

Kannst du Stammzellen auch in Österreich einlagern lassen?

Ja. In Österreich ist die private Einlagerung von Stammzellen grundsätzlich möglich. Eltern können Stammzellen aus Nabelschnurblut, Nabelschnurgewebe und Plazentagewebe nach der Geburt sichern lassen. Dafür wird vorab ein Vertrag mit einer Stammzellbank abgeschlossen. Nach der Entnahme werden die Proben verarbeitet und kryokonserviert, also tiefgefroren gelagert.

Damit eine Stammzellbank tätig sein darf, benötigt sie eine behördliche Genehmigung nach dem österreichischen Gewebesicherheitsgesetz. Dieses Gesetz regelt die Entnahme, Verarbeitung, Lagerung und Rückverfolgbarkeit von menschlichem Gewebe. Zuständig für Aufsicht und Kontrolle ist unter anderem die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit).

Tipp: Die private Einlagerung von Nabelschnurblut ist seit vielen Jahren möglich und etabliert. Die gezielte Aufbewahrung von Plazentagewebe hingegen ist in Österreich noch relativ neu und weniger verbreitet. Wenn du dich dafür interessierst, solltest du dich an einen spezialisierten Anbieter wie Vita 34 wenden.  

Was kostet die Einlagerung von Stammzellen?

Die private Einlagerung von Stammzellen ist mit einmaligen Startkosten und häufig zusätzlichen jährlichen Lagergebühren verbunden. Die genaue Höhe hängt davon ab, welches Gewebe eingelagert wird und welches Vertragsmodell gewählt wird.

Aktuell bewegen sich die Preise in Österreich ungefähr in folgenden Bereichen:

  • Nur Nabelschnurblut: etwa 200 bis 1.500 Euro
  • Nabelschnurblut plus Nabelschnurgewebe: etwa 800 bis 2.200 Euro
  • Zusätzlich Einlagerung von Plazentagewebe: etwa 200 bis 2.500 Euro

Obendrein fallen bei vielen Anbietern Lagergebühren an. Diese liegen meist zwischen rund 60 und 110 Euro pro Jahr. Manche Banken bieten auch Komplettpakete mit Einmalzahlung für einen festen Zeitraum an.

Wichtig: In den Gesamtpreis sind in der Regel das Entnahmeset, der Transport, die Laborverarbeitung im Reinraum sowie die Kryokonservierung bei sehr niedrigen Temperaturen enthalten. Vor der Einlagerung müssen außerdem medizinische Unterlagen geprüft werden.

Wofür werden Plazenta-Stammzellen eingesetzt?

Wenn es um Stammzellen geht, ist eine klare Unterscheidung wichtig. Blutbildende Stammzellen aus dem Nabelschnurblut werden seit vielen Jahren in der Medizin eingesetzt. Sie kommen zum Beispiel bei bestimmten Formen von Leukämie, schweren Störungen des Immunsystems oder angeborenen Stoffwechselerkrankungen zum Einsatz. Diese Anwendungen sind etabliert und gehören zur klassischen Stammzelltransplantation.

Stammzellen aus dem Plazentagewebe, vor allem sogenannte mesenchymale Stromazellen, befinden sich dagegen größtenteils noch in der Forschung. Wissenschaftler untersuchen derzeit, wie diese Zellen bei verschiedenen Erkrankungen helfen könnten. Im Mittelpunkt stehen dabei Erkrankungen des Immunsystems, die sogenannte Graft-versus-Host-Erkrankung nach Transplantationen, Lungenverletzungen, Gefäßerkrankungen oder die Unterstützung der Wundheilung.

Erste Studien zeigen, dass Plazenta-Stammzellen entzündungshemmend wirken und Regenerationsprozesse im Körper unterstützen können. Dennoch handelt es sich in vielen Bereichen noch um klinische Studien, in denen Sicherheit und Wirksamkeit weiter geprüft werden. Es gibt also bereits gesicherte Anwendungen bei Nabelschnurblut, während Plazentagewebe vor allem als vielversprechender Forschungsbereich gilt.

Ist die Einlagerung von Stammzellen für dein Baby sinnvoll?

Diese Frage kannst nur du für dich beantworten. Ob eine Einlagerung sinnvoll ist, hängt von deiner familiären Situation, deiner Einstellung zur Vorsorge und deinem Budget ab.

Besonders relevant kann sie sein, wenn es in deiner Familie bestimmte Erkrankungen gibt, zum Beispiel schwere Blutkrankheiten oder Störungen des Immunsystems. In solchen Fällen kann die Aufbewahrung eine zusätzliche Option darstellen.

Vielleicht möchtest du auch ohne konkrete Vorerkrankung möglichst viele medizinische Möglichkeiten für die Zukunft offenhalten. Dann geht es nicht um eine Garantie, sondern um eine mögliche Reserve für den Ernstfall.

Tipp: Unter bestimmten Voraussetzungen können Stammzellen auch für ein Geschwisterkind infrage kommen, wenn eine klare medizinische Indikation besteht.

Am Ende ist es eine sehr persönliche Entscheidung. Sie sollte auf guten Informationen beruhen und nicht auf Angst oder überhöhten Erwartungen.

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