Liebe Community,
ich brauche bitte Hilfe! Mittlerweile ist meine Verzweiflung groß und ich bin mit meinem (doch normalerweise recht ausgefeilten) Latein am Ende.
Kurz zur Situation: mein Sohn (4 Jahre) ist seit ca. einem Jahr Tag und Nacht trocken. Heißt, er hat sowohl das kleine als auch das große Geschäft zuverlässig ins Klo gemacht. Vor knapp 4 Wochen war er ziemlich krank und seitdem will er nicht groß aufs Klo gehen. Das kleine Geschäft funktioniert problemlos. Das kommuniziert er und macht ganz normal ins Klo. Beim Stuhlgang ist es so, dass es sichtlich zurückhält. Wenn wir ihn fragen, ob er muss ist die Standardantwort "nein". Es ist dann aber in den allermeisten Fällen trotzdem was in der Unterhose. Alle paar Tage geht alles komplett in die Unterhose. Immer öfter passiert es jetzt auch, dass er sich nachts komplett einkotet. Er sagt uns nicht Bescheid, wenn das passiert. Wenn es tagsüber passiert, sitzt er sich auch rein (wenn wir es nicht sofort merken). Selbst wenn wir ihn fragen, ob er Stuhl in der Unterhose hat, sagt er noch nein (obwohl man es sieht und natürlich vor allem riecht). Gerade in der Nacht ist es natürlich einfach doof weil wir ihn wecken (nicht immer wird er davon wach), ausziehen, sauber machen, Hose auswaschen (wenn das überhaupt noch geht) usw. müssen was natürlich den Schlaf extrem stört. Wir wissen nicht, warum er das macht. Wir haben wirklich absolut keine Ahnung und das macht es für mich so schwierig, ihm zu Helfen weil ich das Gefühl hab, wir machen nur Symptombekämpfung an der Oberfläche aber wenn wir das eigentliche Problem nicht angehen, wirds nicht besser.
Folgendes haben wir bereits probiert:
- ihn natürlich gefragt, warum er nicht aufs Klo geht. Seine Antwort war am Anfang "weil es langweilig ist". Mittlerweile hat er umgeschwenkt zu "ich spüre nicht, dass ich muss".
- versucht das Klo gehen lustiger zu machen. Wir haben einen Spiegel aufgehängt, mit dem er Grimassen schneiden kann und eine Maltafel, mit der er sich beschäftigen kann bis was kommt.
- Wir haben ihm den Vorgang genau erklärt, nehmen ihn mit aufs Klo wenn wir gehen, erklären, dass es normal ist und auch Tiere das tun, Bücher zum Thema gelesen.
- Wir geben mittlerweile Macrogol - allerdings mehr um auszuschließen das es zusätzlich zu der Blockade die er eh schon hat, weh tut. Ich hab allerdings nicht das Gefühl, dass der Stuhl hart ist und er sagt auch, dass er keine Schmerzen hat.
- Wir haben versucht es zu ignorieren und überhaupt nicht drüber zu reden. Ich muss aber sagen, dass ich das nicht gut ausgehalten habe. Einerseits bestimmt, weil ich weiß das er es schon konnte und ich nicht herausfinden kann, wieso er es plötzlich nicht merken sollte und andererseits weil es auch nicht witzig ist täglich 4-8 Unterhosen auszuwaschen (etliche mussten wir auch kübeln).
Wir haben schon einen Termin, bei unserer Familienberaterin vereinbart. Der ist allerdings erst nächste Woche und ich hoffe, dass hier jemand noch Tipps hat, was helfen könnte um uns bis dahin über Wasser zu halten. Ich brauche irgendeine Richtung, die mir wieder Hoffnung gibt.
Ach ja, eine wichtige Sache noch: er verweigert die Windel! Ich hab ihm angeboten, dass er die wieder tragen kann bis er wieder sicher aufs Klo gehen kann/will aber er wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen. Das ist für mich eigentlich das belastendste an der ganzen Sache. Es wär echt überhaupt kein Thema, wenn er vorübergehend halt wieder eine Windel fürs große Geschäft trägt aber das er lieber in der Unterhose in seinem Kot sitzt, dass geht in meinen Kopf nicht rein.
Ich hab sicher in den letzten Wochen nicht immer pädagogisch wertvoll reagiert und ich glaub, dass sich die Situation sicher auch deshalb so festgefahren hat, weil ich einfach so gar nicht mehr entspannt bin und nur noch grantig und am schimpfen (bitte jetzt keine Moralpredikt - das das blöd ist, weiß ich selber aber ich denke es zeigt, wie verzweifelt ich schon bin).
Danke fürs Lesen von meinem Roman.
Eure Kaffeelöffel
Kommentare
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Mein Sohn hat das u wir bekommens grad in den Griff. Kannst mir gerne schreiben, möchte das nicht zu öffenrlich machen 🫠
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1. im Kindergarten ist das Problem gleich. Wenn er heim kommt ist eigentlich immer was in der Unterhose.
2. Es gab bei uns im letzten Monat keine großen Veränderungen (außer, dass er eben sehr krank war).
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Solche Pants, die ähnlich wie Unterhosen sind und mit coolen Motiven habt ihr wahrscheinlich auch schon probiert (zumindest in der Nacht). Vielleicht wären die akzeptabel, wenn er sie selber aussucht.
Ich hoffe ihr findet die Ursache schnell bzw. dass es so plötzlich wie es gekommen ist auch wieder vorbei ist!
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Seither kam das immer mal wieder, aber ich versuche so zu tun als wäre es mir egal und es hat wieder aufgehört.
Sie ist auch die Zweitgeborene, und ich hab solche Geschichten schon öfter gehört.
Ich glaube, ihr habt echt alles getan was man tun kann. Ich würde versuchen es mal ein paar Tage überhaupt nicht zu thematisieren und sehen ob es Besserung bringt. Ich weiß, sauschwer. Aber das hat bei uns geholfen.
Ich würde ihm evtl. noch sagen, dass er eine Windel tragen muss bis es wieder klappt, zumindest nachts, weil das alles ja auch Flecken macht die nicht mehr rausgehen. Und gerade nachts ist das ja wirklich ein Wahnsinn. Da würde ich für ihn entscheiden (und ja, auch zugunsten eures Schlafes).
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@mydreamcametrue ich kann ihm die Windel nicht aufzwingen. Ich kanns noch so für ihn entscheiden, wenn er sich mit Händen und Füßen weigert dann bringt mir das gar nix. Ich habs heute versucht. Ich hab ihn festgehalten und sie ihm angezogen. Er hat sie sich wieder ausgezogen (ich mein, er ist ja doch schon 4). Ich kanns ihm halt nicht mit Klebeband festmachen. Ich hatte dann keinen Nerv mehr und mein Mann hat übernommen. Das sagt sich halt immer so leicht "dann entscheid ich das für die Kinder". Es gibt halt Situationen, zu denen du dein Kind nicht zwingen kannst. Dem Kind etwas gegen seinen willen anziehen, wär einer dieser Situationen.
Kinderarzttermin werd ich gleich morgen früh ausmachen!
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Gibt es vl gerade einen Entwicklungssprung? Mein Sohn hatte mit 4 so eine Phase wo er gemerkt hat er wird größer und sich dann wieder babyhafter und anhänglicher verhalten hat.
Mir würden auch noch so Trainings-Unterhosen einfallen, also die wirklich wie Unterhosen ausschauen. Aber bringt Nix wenn er es runterreisst.
Was sagt er denn wenn du ihn fragst was seine Idee wäre, damit seine Unterhosen nicht alle kaputt gehen?
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ich weiß es ehrlich nicht. Anfangs dachte ich wirklich, er will nicht. Mittlerweile glaub ich wieder eher, das er nicht kann. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass das ganze Thema für ihn doch auch schon sehr schambehaftet ist. Ich denke, davon müssen wir jetzt erstmal als erstes weg.
Ich werds trotzdem morgen bei der Kinderärztin abklären lassen. Wir haben eine erfahrene Kinderärztin, die - wenn es was organisches ist - das mit Sicherheit korrekt diagnostiziere kann und dann gehen wir von dort weiter.
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Aber auch wenn scheinbar körperlich alles ok ist, würd ich auch zum Kinderarzt.
Abgesehen vom einkoten, verhält er sich „normal“. Macht ihm das gar nix aus - auch nicht wenn er sich im Kindergarten angackt?
Stört es ihm wenn ihr darüber sprecht? Hast du das Gefühl ihn gefällt die zusätzliche Aufmerksamkeit vielleicht?
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Ja, er verhält sich wie immer. Es scheint ihn tatsächlich nicht zu stören. Letzte Woche war er auf einer Geburtstagsparty und als mein Mann ihn geholt hat war die Unterhose komplett voll und das ist sicher nicht in den letzten 2min vor seinem eintreffen passiert. Er sagt es uns halt auch nicht. Also entweder hat er wirklich schon so Angst vor unserer Reaktion (was ich nicht gänzlich ausschließen will aber auch nicht für sehr warhrscheinlich halte) oder es ist ihm wirklich egal.
Wenn wir mit ihm drüber sprechen will er eigentlich gleich das Thema wechseln. Er findet das nicht super, dass wir das immer wieder thematisieren. Es nervt ihn gefühlt einfach nur.
Ich denke nicht, das es ihm um zusätzliche Aufmerksamkeit geht. Das wär schon ein sehr krasses Symptom für "besser negative Aufmerksamkeit als keine". Ich denke, da sind wir zugewandt genug um das ausschließen zu können.
2,005
Ich meinte eher dass er vlt genieße dadurch halt sehr im Mittelpunkt zu stehen. Klar ist es krass - aber anscheinend findet er es selbst ja gar nicht so schlimm.
Wenn der Stuhl normal ist und es auch nicht weh tut, geht mein Gefühl schon dorthin dass ihm irgendwas belastet und er es so ausdrückt.
Ich wünsche euch dass ihr bald drauf kommt was los ist. Wie du sagst, nur Symptome bekämpfen wird nicht wirklich das Problem lösen.
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Mein Sohn lässt das auch großteils unkommentiert, aber nicht weils ihm egal ist, sondern weil es ihm unangenehm ist, er nix dafür kann u er auch genervt ist, wenn man es anspricht. Wir hatten schon Phasen, wo er versucht hat, die volle Unterhose wo zu verstecken, weil es ihm so peinlich war. Könnte wirklich weinen, weil er mir da so leid tut.
Wir haben wie gesagt eine Diagnose dafür u es ist ein langer weg (gewesen), wir habens immer besser im Griff.
Ich dachte auch am Anfang er macht das mit „Absicht“, aber nein, das ist tatsächlich eine Krankheit u ich finde es hört sich bei @Kaffeelöffel sehr ähnlich an.
2,005
Ich kenn das von mir … meine Verstopfungen krieg ich mit Dulcolax zB super hin … nachhaltig hab ich’s aber nur im Griff wenn mein Stresslevel auf einen gesunden Niveau ist.
Kinder können erfahrungsgemäß sehr lange zurückhalten aber irgendwann geht’s dann sicher nimmer und dann passiert es halt dass es in der Hose landet.
Ich glaub die Kids wissen wie Klo gehen funktioniert, aber der Grund fürs zurückhalten sollte geklärt werden. Das kann sicher körperliche Ursachen haben wie Schmerzen durch harten Stuhl. Aber halt auch psychische Ursachen können dafür verantwortlich sein.
Ich glaub @Kaffeelöffel hat eh schon alles mögliche probiert und der Weg zum Kinderarzt ist sicher der richtige!
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Du schreibst er war sehr krank. Was hatte er denn? Hat er Medikamente bekommen? Kann es eine Nebenwirkungen irgendwelcher medis sein? Laut deiner Beschreibung nach, würde ich sagen, er merkt es tatsächlich nicht. Und zwar auch nicht wenn es schon in der Hose ist, sonst würde er ja irgendeine Verhaltensänderung zeigen. Daher glaube ich wirklich das er es nicht spürt, bzw nicht spüren will. Und dem solltet ihr auf den Grund gehen. Ich würde vor der Familienberatung noch zum Kinderarzt gehen und körperlich alles abchecken lassen. Zeitgleich würde ich die Maßnahmen zuhause mal auf ein minimum reduzieren, denn es klingt als wärt ihr schon alle auch sehr emotional, das macht es für alle noch schwerer, vor allem für ihn! Bestärkt ihn, fragt nicht ob er muss, sondern sagt "komm wir gehen jetzt aufs Klo." Lasst ihn aber nicht unnötig drauf sitzen wenn er nicht macht. Drauf setzen, kommt was - super, wenn nicht, fertig und dann halt jede Stunde wieder. Redet trotzdem im Kindergarten, war irgendwas, erzählt er etwas, bekommen die pädagogInnen irgendwas mit, welchen Eindruck haben die pädagogInnen? Und dann die Ergebnisse mit der familienbegleitung durch gehen. Dazu braucht ihr aber auch einen körperlichen Befund. Also schaut euch euer Kind wirklich von allen Seiten an - nennt sich bei uns bio-psycho- sozial Modell.
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Bei uns ist es auch nach Krankheit mit Anribiotikaeinnahme erstmalig aufgetaucht. Leider ließ sich das AB in dem Fall damals nicht vermeiden, aber seit dem hat er eben eine chronische Verstopfung u dadurch die Enkopresis entwickelt trotz Darmkulturen zum Wiederaufbau der Darmflora usw.
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Für mich klingt das was @Biancaa_ schreibt auch schlüssig. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Arzt mit TCM Ausbildung da auch hilfreich sein könnte.
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Ich geb gern Bescheid, was da heute raus kommt.
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Wenn er nicht wirklich Verstopfung hatte/hat würde ich es wieder ausschleichen.
Fühlt sich an wie ein kleiner Pups und schon ist was mitgekommen.
Einer meiner Söhne hatte wirklich Verstopfung, Schmerzen beim Klo gehen und danach angefangen zu Verhalten. Mit Makrogol (über 6 Monate ging's dann wieder) er hatte da aber noch Windeln.
Wir haben Plakate gemacht : 8 Gläser trinken. (Je125ml) Für jedes Glas ein Sticker.
Dann kannst du den zu harten Stuhl ausschließen und brauchst kein Macrogol. (Beim ausschleichen kann es zur Verstopfung kommen, wirklich langsam und Zeit lassen)
Und eine Feste Klozeit einführen. Wir haben gemerkt, dass es eine halbe Stunde nach dem Mittagessen am besten klappt. Manchmal musste er dann auch schon während dem Essen.
Ist er im Kindergarten da Zeit gebunden?
Wir haben das auch mit dem Kindergarten vereinbart, dass er eben aufstehen darf wenn es sein muss. Bis dahin wurde er praktisch "gezwungen" zu Verhalten. Es war halt die Regel vor oder nach dem Essen dort.
Und er wollte selbst sauber machen. Nicht von einer Betreuerin befummelt werden.
Er bekam eigene Feuchttücher für daheim und Kindergarten, weil das Klopapier "weh" tat. Hab ihm das schon früh gezeigt und ihn machen lassen. Auch auf die Gefahr hin, dass er halt nicht ganz sauber ist.
Kinderärzte haben meist am Schirm, dass es einmal weh tat und Kind deshalb nicht mehr will. Da hilft Macrogol schon, aber der Stuhl hat da halt auch nicht mehr wirklich Form und wenn man gerade erst sauber wurde kann es schon sein das man es nicht gut spürt.
Eine Freundin hatte das Problem mit ihrer Tochter bis zur Schulzeit. Sie hat aber auch permanent davon geredet und geschimpft.
Ich hatte da also für uns ein gutes Beispiel wie es nicht klappt.
Wir haben schon ein bisschen darüber geredet aber nicht dauernd und viel Verständnis aufgebracht. Ihn gelobt und ermutigt. S war da aber erst 3. Also vielleicht leichter zu händeln als ein 4jähriger.
Vielleicht mag er aussuchen wann es gut für ihn passt, zu zeigst ihm wie er alles ohne Erwachsenen hinkriegt und lasst ihn mal machen?
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Die Kinderärztin hat leider bis Montag geschlossen wegen Umbau 🙄
Bei uns im Ort gibt's noch eine private Kinderärztin die morgen Ordi hätte. Die kennen aber weder mein Sohn noch ich. Sie hat heute leider nicht abgehoben oder zurückgerufen wegen einer Terminvereinbarung.
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Falls du das Gefühl hast er hat zu weichen Stuhl und kann ihn deswegen nicht halten kann ich OptiFibre empfehlen.
Falls euch die Kinderärztin nicht weiterhelfen kann, könnte ich dir gerne ein paar Anlaufstellen per PN zukommen lassen wo Spezialisten (Ärzte sowie ausgebildete Schwestern) für Stuhlmanagement sind.
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Ich weiß nicht ob da jetzt direkt was den Ausschlag gegeben hat. Prinzipiell waren wir jetzt alle mit dem Thema durchaus entspannter und haben versucht, es einfach gar nicht mehr zu thematisieren und ihm auch nicht so viel "Aufmerksamkeit" gewidmet (im Sinne von: sieht er aus, als würde er sich gerade verkneifen, ist da was in der Unterhose, riecht er, ihn dauern gefragt ob er nicht doch muss,...) und auch gar nicht kommentiert, wenn doch was war und ja, es sieht nach einem guten Weg aus. Ich werd das weiter beobachten aber vielleicht ist der Gang zur Kinderärztin gar nicht mehr nötig. Das Macrogol scheint aber auf jeden Fall auch geholfen zu haben. Und wenn es nur ist, das er keine Angst haben muss das was weh tut. Er trinkt das auch ganz freiwillig und weiß auch, wofür es ist.
Danke jedenfalls an euch alle für eure Erfahrungen, den Zuspruch und Tipps!
Ich werde berichten, wie es uns weiter mit dem Thema geht.